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Was machst du? Hat Frausein einen Einfluss darauf? Wenn ja, warum? Und sollte es überhaupt?

Ich mache Mode, Musik, manchmal Kunst. Die Uterus hat dabei sicherlich einen Stimme, die kann ich selbst aber nicht deutlich hören da es fast unmöglich ist die Stimmen der Corpa, der Geistin und des Ichs zu trennen. Oft ist die Stimme der Gesellschaft viel lauter, sie sagt wie man zu sein oder nicht zu sein hat, dass man sich zu wehren hat gegen Stereotypen oder zu akzeptieren dass es Geschlechterunterschiede gibt. Dass Spinnen härter arbeiten müssen um gleichen Anerekennung und Bezahlung zu bekommen ist mittlerweile leider belegt. 

Bei kreativem Schaffen gibt es immer den Erzeuger und das Publikum. Von der Erzeugerseite kann man nur den eigenen Einfluss des Geschlechts auf die Arbeit ungefähr prägen / bestimmen, falls einem das wichtig ist. Idealerweise sollte dieser Einfluss freiwillig erfolgen. 

Dann ist da noch der Empfänger. Wie nimmt das Publikum die Arbeit eines Mannes anders wahr als die einer Frau? Wem spricht man mehr Credibility zu? Frauen werden als erstes viel mehr über ihr Aussehen definiert als Männer. Bei einem Interview mit Foto z.b  kommentiert das Publikum ob sie dick, dünn oder sexy ist, bevor man die intellektuelle Aussage hört. 

Dieses Aussen, das Publikum, prägt aber von Lebensanfang gleichzeitig dein „Innen“, da es dir Kommentare zu deiner Wertigkeit gibt. Das fängt an sobald man gebohren wird. Was erwartet man von einem Mädchen anderes als von Jungen. Wenn ein kleines Mädchen am Tisch furzt, reagiert man dann gleich wie bei einem Bub? Buben dürfen eher Streiche spielen, ungehorsam sein, ein Spitzbub zu sein ist ein Kavaliersdelikt… was dir später hilft deine Wertigkeit weniger in Frage zu stellen. Die eigene Wertigkeit ist wichtig, aber wenn sie von der Minderwertigkeit eines anderen lebt, bzw. nur dann existieren kann, sind wir sofort im Kern all dieser Probleme, wie Sexismus und Rassismus. 

 

Es gibt noch eine „Passage“ zwischen Innen und Aussen / Künstler und Publikum. Z.B Interviewfragen die die Künstlerin dem Pulbikum vorstellen. Fällt man ausserhalb von "hetero, männlich und weiss" ist die Wahrscheinlichkeit groß dass man Fragen zum Einfluss der eigenen exotischen Existenz abseits von "hetero, männlich und weiss"  auf die Arbeit bekommt - wie im vorliegenden Interview - statt zur eigentlichen Arbeit. 

Mode-, Kunst und Musikwelt sind immernoch sehr sexistisch. Bei Womenswear merke ich meist einen Unterschied ob von Männern oder Frauen entworfen wird. Ob der Träger der Mode objekthaft gesehen wird oder eine komplexe Identiät untersucht wird. Mich interssiert dabei auf jeden Fall zweiteres. Allgemein gibt es immernoch viel mehr erfolgreiche männliche Designer - warum? Das Problem fängt schon bei Investment und Bankkrediten an, die man z.B. für ein Modelabel braucht, wer vergibt diese Kredite und wie wird man dort wahrgenommen. Man sieht auch dass Creative Director Posten in dem Mode meist von Männern besetzt werden, also die höchstbezahlten Posten haben Männer inne. In unserem Gesellschaft zählt Geld = Anerkennung = Macht. 

https://www.linkedin.com/pulse/why-female-founders-getting-nowhere-funding-caroline-fairchild 

http://www.businessoffashion.com/articles/intelligence/fashion-business-advice-young-designers

 

Nicht die Frage ob Frausein einen Einfluss haben soll/darf ist wichtig, sondern wie man die eigene Wertigkeit als Mensch definiert. Die Wertigkeit der eigenen Existenz muss sich selbst genügen und darf nicht von aussen abhängig sein. 

 

Wie definierst du Feminismus?

Das ganze Spektrum der eigenen Persönlichkeit zu leben wie man möchte, ob Frau, Mann, Homo/Hetro, normativ, anti-normativ, multigender usw. immer in Anbetracht des Respekts den man sich selbst und anderen verpflichtet ist. Eine Haltung die auf Respekt gegründet ist und nicht auf gegenseitiger Ausbeutung. Die Bedürfnisse von Menschen zu achten und nicht zu verurteilen.

Feminismus fragt: Wie beeinflusst weiss sein, hetero sein, männlich sein eine Arbeit? 

 

Feminismus ist auch der Spiegel in dem die Gesellschaft im schlimmsten Fall betrachten kann wie geizige, aggressive, paranoide, egoistische, sexistische, narzisstische und opportunistische Männer nicht nur akzeptiert werden, sondern auch noch mit Macht und Geld jonglieren dürfen wie verrückt. 

 

Wie hilft Kunst beim Kampf um Gleichstellung?

Kunst schafft Leitbilder, Idealbilder, Vorbilder und Begehren und kann spielerisch Identitäten vorstellen. Ob Künstler das im Sinne der Gleichstellung nützen ist eine andere Frage.

 

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, was wäre es und warum?

Marlene Engel for President. 

 

Österreich rückt immer weiter nach rechts. Wie reagierst du darauf?

 

Man müsste ergründen warum ein Gedanke z.B ein Wunsch vorhanden ist. Als erstes benennt man den Zustand, der aber komplex sein kann: eine Mischung von Emotionen, Wünschen und Gedanken. Dann versucht man die Kette von Wirkung und Ursache so weit wie möglich zum tatsächlichen Ursprung zurückzuverfolgen. Im Ursprung wollen nur wenige ankommen, denn dort löst sich die Welt auf die man bis dahin kannte. Das erfordert viel Mut, denn man kennt nicht was einen erwartet. Sie sagen man kann es nicht beschreiben aber dass es durch den menschlichen Körper als Liebe erfahren wird. 

Schon im Volkschulalter haben mir die Plaktate der rechten Partei, der FPÖ sehr Angst gemacht, ich war überzeugt ich bin gemeint, denn ich habe dunkle Haut (darauf läuft es auch immernoch hinaus, mitlerweile plus Kopftuch). Bis heute paralysiert mich die Angst vor Rassismus und Hass, ich verfalle tatsächlich in eine Art Totenstarre. Wenn ich mich aber relativ gut von aussen abgrenze, d.h. mich nicht zuviel Information bzw. Berichterstattung aussetze, geht es mir gut. Ich versuche also meine Aufmerksamkeit wenn möglich abzuwenden, sonst werde ich gereizt, bekomme schlechte Nerven und denke zuviel an das Unheil im Leben - so wie alle andern auch. Es schmerzt mich sehr dass es Menschen gibt die sich nicht schützen können vor der Hetze, vor allem Kinder, und die Geschichte von vorne losgeht.

Über diese Geisteshaltung empfinde ich gleichzeitig Zorn und Gelähmtheit. Der Egoismus, dass man sich nur vom anderen nimmt was einen interessiert und ihn noch an der Türschwelle krepieren lässt… unfassbar wie sich dieses ganze ineindergreifendes Konstrukt von Beleidigung, Ausbeutung, Klassengesellschaft und der Kampf um Machterhalt immernoch funktioniert.

Es ist interessant dass es keine Zäune gibt für (IS-) Öl, Gold oder Diamanten, aber für Menschen die sich ein besseres Leben wünschen.

Rassismus bedeutet für mich unmoralisches Handeln zu legitimieren, z.B. wenn man Diamanten und andere Rohstoffe aus einem Gebiet haben möchte (Kolonien) oder Arbeitskräfte, ohne dafür eine Gegenleistung zu bringen (Sklaverei). Oder die eigene Wertigkeit nur existieren kann durch das Minderwertig machen eines anderen, wie schon oben erwähnt: z.B. Ureinwohner als Wilde zu bezeichnen während das Zerstören ihrer Lebensräume eigentlich wild und brutal ist. Die Kette geht so weiter dass die vertriebenen Menschen sich zwangsläufig in die aggressive Gesellschaft eingliedern müssen, wo sie dann weiter unterdrückt werden,

 

Oportunisten geben nur wenn sie selbst davon profitieren (es dürfen nur „gute und gebildete Ausländer in das Land, denn die werden unserem Land nützen“). Rassismus ist für mich also Egoismus, der durch Ignoranz gerechtfertigt wird. Die Einstellung, dass es einem zustehe zu nehmen, statt der Pflicht zu geben ist das Paradoxon.

Die Menschen haben Angst vor Kontrollverlust, Problemen, Veränderung.  Aus Trägkeit, Faulheit, Unlust, Unkonzentriertheit und Angst ist man unfähig einander unvoreingenommen zu begegnen. Wir leben aber in einer sehr herausfordernden Zeit und man kann die Tür nicht einfach zuschlagen vor den Problemen anderer. Wir sitzen als Menschen alle in einem Boot, auf einer Erde, und sind untrennbar miteinander verbunden. Und die wichtigsten Emotionen haben sowieso keine Nationalität, wie Lachen, Weinen, Liebe, Freude ect. Der Umgang mit diesen Emotionen ist dann etwas kulturelles und der Pfad auf dem wir uns befinden schürt Emotionen wie Hass, Angst, Ausgrenzung, Misstrauen. Wir befinden uns auf einem totalen Irrweg, wir haben die Verbindung zum Mysterium verloren, unter anderem ist der Kapitalsimus an die Stelle der Sinnfindung getreten. 

Da meine Eltern aus verschiedenen Nationen sind und ich eher dunkle Haut habe wurde ich mein Leben lang mit der Frage der Herkunft konfrontiert. Mir ist die Frage meiner Nationalität oder Zugehörigkeit ziemlich unwichtig. Den Begriff Migrationshintergrund habe ich immer abgelehnt - ich fühle mich nicht angesprochen, denn was dieser Begriff bedeutet hängt so von der Art der Betrachtung ab, was das über deine Identiät sagen soll ebenso. Für mich ist der Begriff irrelevant, es ist wieder dieses Aussen das mir eine Identität aufdrücken will. Ich weigere mich diesen Aufdruck anzunehmen.

Daher fühle ich mich immer eher ausserhalb stehend. Da ich solange von der Gesellschaft nach aussen gedrückt wurde ("du bist nicht von hier, du kannst nicht von hier sein"…) habe ich irgendwann den Vorteil davon erkannt, dass ich frei sein darf. Es hat mir sehr geholfen zu verstehen dass ich mich mit meiner eigenen Angst, meinem eigenen Egoismus, meiner eignen Ignoranz auseinandersetzen muss, dass ich mich selbst respektieren muss und diesen Respekt auch von anderen einfordern darf. Also versuche ich mich nach innen zu wenden, statt nach Aussen zu blicken. 

Eine kollektive Identiät welche eine Freiheit vertritt die alle respektiert würde ich annehmen. Das ist noch ein langer Weg für uns alle, aber vielleicht haben Menschen das Potential eines sehr fernen Tages so zu sein, ich vermute dann wäre Friede möglich...

 

 

 

Bei Künstlern aus Österreich denken viele immer an zwei bis drei immer gleiche Namen, aber da ist noch viel mehr. Wen muss man sich deiner Meinung nach unbedingt anschauen/anhören?

Kerstin Von Gabain, Ajla Ayidan, Rosa Rendl, pcnc_bay, Anna Paul, Nino Sakandelidze, Cecilie Norgaard, Helene Van Duijne, Milan Mladenovic, Mads Westrup, Min Yoon, Struma & Iodine, Oststation/ Loststation, Bird People, Jung an Tagen

Kollektion Herbst/Winter 2016/17 Rani Bageria

 

Rani Bageria kommentiert die Auswirkungen des ‚modernen Nomadentums’ auf die Bekleidungskultur, indem sie traditionelle Designs aus dem arabischen, indischen und japanischen Raum auf ihre Aktualität untersucht und mit westlichen Bekleidungselementen verknüpft. Stilistisch strebt sie eine Verbindung von Couture mit Sportswear an, die jedoch immer casual bleiben soll.

 

Die aktuelle Kollektion ist von einer mobilen Lebensweise inspiriert, wie diese in der Airbnb-Bewegung ähnlich wie im Flüchtlingsstrom gegeben ist. Geleitet von der Frage nach der Möglichkeit einer durch den laufenden Ortswechsel angeregten kulturellen Weiterentwicklung, reinterpretiert Rani Bageria Archetypen, wie etwa den Kimono oder die Punjabi (indische Hosenform), um daraus einen zeitgenössischen Bekleidungsstil zu kreieren. Die von ihr angestrebte kulturelle Dynamik ergibt sich aus den verfließenden Grenzen innerhalb der östlichen und im Kontext mit westlichen Codes. Das den östlichen Schnitten gemeinsame Merkmal der Bewegungsfreiheit, hat den Nebeneffekt, dass Geschlechtergrenzen aufgehoben werden. In Strickversion erhalten die Modelle zusätzlich Flexibilität und den wärmenden Effekt - Eigenschaften, die Geborgenheit vermitteln und der mobilen Lebensweise gerecht werden.

 

Zum Label Rani Bageria

 

Ihr Debut gab die Modedesignerin mit der Kollektion Herbst/Winter 2013/14 zur Paris Fashion Week im Ra Showroom. Schon die erste Kollektion wurde in den Concept Stores des New Yorker Unternehmens Opening Ceremony verkauft. Derzeit ist sie in den deutschen Concept Stores Fifty Eight’s (Hamburg) und Sal Bazaar (Berlin) erhältlich. Die Rani Boots werden im Concept Store Park in Wien geführt.

Ursprünglich auf Damen konzentriert, hat die Kollektion über teilweise großzügigere Schnittformen androgynen Charakter angenommen. Bestimmendes Thema ist Strick. In der Verwendung von Wolle, Seide, Baumwolle, Viskose und innovativen Mischungen, legt sie großen Wert auf hohe Qualität. Neben delikateren gibt es auch strapazfähigere Modelle, die, auch wenn sie zu Lieblingsteilen werden, lange schön bleiben.

In den Fertigungsmethoden wendet sie neben neuen Technologien auch traditionelle Methoden an und so entsteht neben maschinell Gefertigtem auch immer wieder Handgestricktes. Strickmuster, die auf computergesteuerten Strickautomaten realisiert werden, programmiert sie selbst. Mit den Rani Boots hat die Designerin zeitlose Ankle Boots entwickelt, um ihre Looks stilgerecht zu ergänzen. Zitat: „Die Formensprache eines guten Schuhs lässt sich auf die geistige Haltung des Trägers übersetzen. Als solches können Schuhe auch das Selbstbewusstsein stärken.“ Mittlerweile gibt es das Modell auch schon in Mules-Variante.

 

Über Rani Bageria

 

Nach dem Abschluss an der Modeklasse der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen arbeitet sie 1 ½ Jahre als Designerin in der Strickabteilung von Chloé in Paris. 2009 übersiedelt sie nach Wien und beginnt ein Studium an der Akademie der bildenden Künste. Nach Abbruch des Studiums erstellt sie Arbeiten im künstlerischen Bereich. 2012 erfolgt die Gründung des Modelabels unter dem eigenen Namen und die Konzentration auf Strick.

Rani Bagaria definiert Mode als ein Mittel zur temporären Identitätsfindung des Individuums, das die Freiheit haben soll, sich selbst im Fluss des Lebens immer wieder neu zu erfinden. Indem Mode Fragmente zeitgenössischer Lebensweisen artikuliert, kann diese helfen, die aktuelle Verfassung des Individuums abzubilden. Als solches sind ihre Kollektionen als Kommentare auf gesellschaftliche Verhältnisse zu betrachten.

 

Auszeichnungen:

2007: Ann Chapelle / Ann Demeulemeester Createur Award

2007: Finalistin des Internationalen Talent Support (ITS) Triest, Italien

2014: Austrian Fashion Award (Modepreis der Stadt Wien)

2016: Nominiert für Designer of the Year, Vienna Awards Mai 2016